Energiegeladen durch die Altstadt

07. Mai 2019  Berichte, Meldungen

Zwischen 11.30 und 13.00 Uhr fand am 7.5.2019 der erste Warnstreik von ErzieherInnen, HeilerziehungspflegerInnen und PflegerInnen an den SRH – Schulen in Neckargemünd statt. Die Aktion war ein voller Erfolg. Rund 100 Kolleginnen und Kollegen kämpften entschlossen für eine deutlich bessere Bezahlung (Lohnsteigerungen von 8% bzw. 100 € bei den Azubis) und gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Von der SRH zogen sie lautstark durch die Neckargemünder Altstadt zum Marktplatz. Dort berichteten VertreterInnen des Betriebsrates und von Ver.di von den unhaltbaren Zuständen an den SRH – Schulen. So wurde z.B. darauf hingewiesen, dass Erzieherinnen und Erzieher an der SRH mittlerweile 16 % weniger verdienen als ihre Kolleginnen und Kollegen im Öffentlichen Dienst und viele pflegerische Tätigkeiten von dafür gar nicht ausgebildeten KollegInnen vorgenommen würden. Ein anderer Redner wies auf die Repression gegen die Streikenden hin. So habe die Geschäftsführung versucht, eine Kollegin am Gang auf die Toilette zu hindern, da dieser lediglich ein Vorwand sei, um sich am Streik zu beteiligen. Von kranken KollegInnen wurde eine Krankschreibung verlangt, obwohl diese im Normalfall erst nach 3 Tagen fällig wird. Urlaubsansprüche am heutigen Tag wurden ebenfalls als Vorwand für die Teilnahme an der Streikaktion in Frage gestellt. Offenkundig ist die Geschäftsführung mit dem Warnstreik überfordert und hat noch immer nicht verstanden, dass ihre Weigerung, gute Löhne zu zahlen und für menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu sorgen, den guten Ruf der SRH ruiniert und dem Unternehmen somit schadet. Die LINKE stand solidarisch an der Seite der Kämpfenden und beteiligte sich am Streik. Wahrscheinlich wird die Auseinandersetzung weitergehen. Als LINKE werden wir nicht ruhen, bis die Beschäftigten der SRH – Schulen einen würdigen Tarifabschluss erringen.

Solidarität mit den Streikenden an den SRH – Schulen Neckargemünd

Die Partei DIE LINKE unterstützt den Kampf der Kolleginnen und Kollegen der SRH – Schulen für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und die Rückkehr in die Tarifbindung. Wir stehen morgen 11.30 Uhr gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen auf der Straße. Es kann nicht sein, dass
Pflegerinnen und Pfleger an der SRH 11 % weniger Lohn erhalten als ihre nach Landestarifvertrag beschäftigten Kolleginnen und Kollegen! Erzieherinnen und Erzieher kommen auf 350 € weniger und Sozialarbeiter haben 212 € weniger in der Tasche! Das ist empörend und zutiefst ungerecht. Und es ist unerträglich, dass Jahr für Jahr ein stetig wachsendes Arbeitspensum mit immer weniger Personal geleistet werden soll! Es müssen dringend neue Kolleginnen eingestellt und der Betreuungsschüssel verbessert werden!

„Gerade die SRH wirbt seit längerem damit, besonders arbeitnehmerfreundlich zu sein. Das Gegenteil ist der derzeit der Fall!“ so Marco La Licata, Spitzenkandidat der Neckargemünder LINKEN. „Es ist eine riesige Sauerei, dass gerade die SRH noch unter den ohnehin schon völlig
unzureichenden Standards anderer Institutionen liegt.“

Auch die behinderten Kinder und Jugendlichen, also gerade die Menschen, die unter dem Dach der SRH Schutz erfahren und Perspektiven eröffnet bekommen sollen, leiden mittelbar unter den Arbeitsbedingungen an der SRH, denn Personalmangel und schlechte Entlohnung führen zwangsweise zu einem Verlust an Qualität. „Es ist tragisch“, so Marco La Licata weiter. „Die SRH riskiert ihren guten Ruf, weil das Management den Hals nicht voll genug kriegen kann. Dabei war die SRH Pionier bei der Inklusion behinderter Kinder und Jugendlicher und stellte auch für Kinder ohne Behinderungen lange eine attraktive Alternative zu den staatlichen Schulen dar. Doch die Qualität von Betreuung und Pflege leidet unter den schlechten Arbeitsbedingungen. Wir appellieren dringend an das Management der SRH, Vernunft anzunehmen, in die Tarifbindung zurückzukehren und die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung der Kolleginnen und Kollegen über das im Landestarifvertrag Festgeschriebene hinaus zu verbessern! Die SRH muss Vorreiterin bei guten Arbeitsbedingungen und Löhnen werden!“

Seit Jahren engagiert sich die LINKE bundes- und landesweit mit den Kolleginnen und Kollegen, Gewerkschaften und lokalen Initiativen für bessere Bedingungen in Pflege und Kinderbetreuung. Mit den Kampagnen „Pflegenotstand stoppen!“ und „Klasse Kita für unsere Kinder!“ konnte die
LINKE das Augenmerk der Öffentlichkeit auf die Missstände in der Pflege und der Kinderbetreuung lenken und eine öffentliche Debatte darüber anstoßen. Nun gilt es, Verbesserungen zu erkämpfen.

Weitere Informationen zu den Kampagnen der LINKEN:

https://www.pflegenotstand-stoppen.de/start/

https://www.die-linke-bw.de/start/projekte/klasse-kitas/